Vor dem Umbau: Der Bahnhof Sangerhausen, Teil 1 (Reiseberichte)
Moin,
kürzlich schreckte mich die Nachricht auf, daß der Umbau der Bahnsteige in Sangerhausen begonnen hat. Nicht, weil ich da noch hinwollte (das habe ich im Gegensatz zu z.B. Herzberg oder Ringelheim sogar geschafft), nein, das bedeutet, daß ich die Aufnahmen schon bald zeigen sollte, bevor dort komplett umgegraben ist. Zuvor aber der Überblick über Zugverkehr und Geschichte.
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Sangerhausen liegt im südlichen Sachsen-Anhalt. Hier kreuzt die Halle-Kasseler Bahn mit der Verbindung Magdeburg - Erfurt. Kursbuchtechnisch, denn die Züge nach Magdeburg nutzen die Strecke Kassel - Halle bis Blankenheim Trennungsbahnhof mit, also bis zum Betriebsbahnhof östlich des Blankenheimer Tunnels.
Zwischen Erfurt, Sangerhausen und Magdeburg verkehrt zweistündlich die Elbe-Saale-Bahn mit Dieseltriebwagen der Baureihe 642, auf dem Abschnitt Erfurt - Sangerhausen ergänzt durch ebenfalls zweistündliche Nahverkehrszüge von DB Regio Südost (Elloks der Baureihe 143 mit Doppelstockwagen).
Dieses Material kommt auch auf der Halle-Kasseler Bahn zum Einsatz. Modernisierte alte moderne Doppelstockwagen verkehren in den zweistündlichen Eilzügen zwischen Halle, Sangerhausen, Nordhausen, Eichenberg und Kassel. Die allseits beliebten Doppelstockwagen der Reichsbahn hingegen kommen in den Zügen zwischen Halle und Nordhausen zum Einsatz. Auch diese verkehren zweistündlich. Im Berufsverkehr wird das Angebot ausgeweitet.
Ferner verkehrt durch Sangerhausen (noch) ein wöchentliches Intercity-Paar zwischen Frankfurt (Main) und Leipzig. Das an Wochenendpendler gerichtete Angebot wurde vor fünf Jahren eingeführt, wird aber zum Fahrplanwechsel im Dezember wieder aus dem Sortiment genommen.
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Die Ost-West-Verbindung ist die Halle-Kasseler Bahn. Sie führt von Halle bis Hann. Münden, ab dort befährt man die Hannöversche Südbahn. Die Bauarbeiten begannen kurz nach der Konzessionserteilung im Frühjahr 1863, ihre Eröffnung erfolgte abschnittsweise von Osten aus: Seit dem 1. September 1865 fahren die Züge bis Eisleben, am 10. Juli 1866 wurde Nordhausen erreicht. Der Abschnitt Eisleben - Sangerhausen ist das anspruchsvollste Streckenstück; die Blankenheimer Rampe zog in den letzten Jahren des Dampflokeinsatzes viele Fotografen an. Am 9. Juli 1867 ging das Streckenstück von Nordhausen über Leinefelde bis Arenshausen in Betrieb, direkt vor der Grenze. Am 1. August 1867 wurde von dort aus zunächst Göttingen erreicht (diese Strecke Arenshausen - Friedland wurde bereits 1884 stillgelegt, der bewachsene Bahndamm ist noch heute zu erkennen). Nachdem sich die Bahngesellschaft gegenüber Preußen durchgesetzt hatte, konnte 1869 der Weiterbau von Arenshausen bis Hannoversch Münden beginnen, am 13. März 1872 war er fertig. Der Abschnitt von dort nach Kassel ist bereits seit dem 23. September 1856 in Betrieb.
Bereits 1969 wurde die Strecke zwischen Halle und Angersdorf elektrifiziert, erst am 1. Juni 1991 wurde Eisleben erreicht, am 10. Dezember 1992 Sangerhausen und seit 29. Mai 1994 ist die komplette Strecke bis Eichenberg elektrisch befahrbar; der hessisch-niedersächsische Abschnitt Eichenberg - Kassel ist es bereits seit 1964. Die Halle-Kasseler Bahn ist nach zwischenzeitlichen Demontagen auf DDR-Seite wieder komplett zweigleisig (bis auf die Einfahrt nach Eichenberg). Freunde von Hl-Signalen kommen zwischen Halle und Leinefelde (ausschließlich) auf ihre Kosten, auch sind viele Bahnsteige noch nicht modernisiert.
Die Strecke Sangerhausen - Erfurt wurde in zwei Etappen eröffnet, am 15. Juli 1880 von Sangerhausen bis Artern und am 24. Oktober 1881 weiter über Sömmerda bis Erfurt. Seit 1997 ist die Strecke durchgehend elektrifiziert, das Mittelstück Artern - Sömmerda ist eingleisig.
Die Strecke von Blankenheim Trennungsbahnhof nordwärts Richtung Magdeburg ist bis Güsten Teil der Berlin-Blankenheimer Bahn, der sogenannten Kanonenbahn von Berlin zur französischen Grenze. Sie wurde am 15. Mai 1879 für den Reiseverkehr eröffnet. Der Abschnitt Güsten - Blankenheim ist eingleisig und nicht elektrifiziert. Auf den weiteren Verlauf nach Berlin kann ich hier nicht eingehen. Stattdesen kommen wir zu den Bildern, diese entstanden hauptsächlich am 14. Juli, einige weitere am 22. August 2014.
Zuvor aber noch schnell ein Blick aufs Empfangsgebäude. 1945 wurde der Bahnhof Sangerhausen weitgehend zerstört, darunter auch das damalige Empfangsgebäude. Nach einer Zeit mit Provisorien wurde 1963 das heutige Empfangsgebäude fertiggestellt. sangerhausen.de schreibt: Die hohe Empfangshalle passte seinerzeit hervorragend zum Bild der aufstrebenden Bergarbeiter- und Industriestadt. Mit seinen klaren Linien und hohen Fensterfronten setzt das Bauwerk bis heute von außen, mit einem großen Mosaik über dem Durchgang zum Bahnsteigtunnel von innen architektonische Akzente. Bedingt durch den starken Rückgang der Bedeutung des Eisenbahnverkehrs in der Region seit Mitte der 1990-er Jahre, fristet der unter Denkmalschutz stehende Bahnhof mittlerweile allerdings mehr ein Schattendasein. Das kann ich so unterschreiben, es ist sehenswert, aber überdimensioniert. Hoffentlich kann man ihm neues Leben einhauchen.
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Geht sofort weiter.
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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr
gesamter Thread:
- Vor dem Umbau: Der Bahnhof Sangerhausen, Teil 1 -
Sören Heise,
30.09.2014, 15:52
- Sangerhausen, Teil 2 (40 Bilder) -
Sören Heise,
30.09.2014, 15:52
- Sangerhausen -
safe go,
30.09.2014, 20:37
- Sangerhausen - Nakaner, 30.09.2014, 22:02
- Sangerhausen -
safe go,
30.09.2014, 20:37
- Auch hier: Einen herzlichen Dank für das Porträt
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ICE-T-Fan,
22.10.2014, 18:36
- Sangerhausen, Teil 2 (40 Bilder) -
Sören Heise,
30.09.2014, 15:52